Wenn man Angehörige fragt, was sich hinter dem Begriff „Alltagsbegleitung" verbirgt, kommt oft dieses Bild: Eine nette Person kommt vorbei, trinkt Kaffee mit Oma, spielt mit ihr Karten, hört zu. Wir bekommen dann Anrufe wie: „Aber Mama braucht doch keine Gesellschaft, sie braucht jemanden, der putzt.“
Die Wahrheit ist: Für die allermeisten unserer Kundinnen und Kunden in Chemnitz besteht ein Termin zu grob 90 Prozent aus Hauswirtschaft. Bad, Küche, Wäsche, Einkauf, Bett. Erst danach, oder nebenbei, gibt es das Gespräch. Nicht andersherum.
Damit das nicht Behauptung bleibt, haben wir Sabine – eine unserer Alltagsbegleiterinnen – einen ganz normalen Dienstag begleitet. Drei Termine, drei Wohnungen, drei Chemnitzer Stadtteile. Und ein Rucksack voll Putzsachen im Kofferraum.
08:00 Uhr – Frau K., 84, Kappel
Sabine parkt in der Frankenberger Straße, holt aus dem Kofferraum ihren Beutel mit den eigenen Handschuhen und dem Mikrofasertuch. Frau K. wohnt in der dritten Etage, Aufzug gibt's keinen. Zwei Stunden sind gebucht, jeden Dienstag und jeden Freitag.
Die Begrüßung dauert vielleicht drei Minuten. Kurzer Kaffee, kurzes „Wie war die Nacht, Frau K.?“, Antwort: „Ach, das Knie wieder.“ Sabine notiert das in ihr kleines Buch – die Tochter in Bayreuth bekommt einmal die Woche eine WhatsApp-Nachricht dazu.
Dann geht die Arbeit los. Sabine räumt die Küche auf, spült das Frühstücksgeschirr, wischt die Arbeitsplatte, macht die Kaffeemaschine sauber. Sie zieht danach das Bett ab und hängt die Bettwäsche in die Waschmaschine, füllt Weichspüler nach, drückt auf 60 Grad. Während die Maschine läuft, ist das Bad dran: Waschbecken, Toilette, Dusche, Boden. Sabine kennt Frau K.'s Vorlieben mittlerweile – kein Zitrusreiniger, weil die Nase das nicht mag, dafür ein bisschen mehr Essigreiniger im Bad.
Frau K. sitzt in dieser Zeit meist am Küchentisch, blättert in der Freien Presse, unterhält sich zwischendurch mit Sabine. Nicht dauernd, aber wenn ihr was einfällt: „Wissen Sie, gestern war die Frau vom vierten Stock hier, die hat sich beschwert wegen dem Aufzug.“ Sabine hört zu, nickt, macht weiter. Diese Nebenbei-Gespräche sind Teil der Arbeit, aber sie ersetzen sie nicht.
Nach etwa 75 Minuten hat Sabine die Wohnung durch. Bettwäsche kommt aus der Waschmaschine, wird auf den Trockenständer im Wohnzimmer gehängt. Frisches Laken aufs Bett – das gehört nicht zur Grundpflege, das ist einfach die letzte Etappe der Wäsche-Runde. Der Trockenständer bleibt bis zum Freitag stehen; dann bügelt Sabine und legt alles zurück in den Schrank.
Die letzten zwanzig Minuten gehen sie zusammen zum Netto an der Zwickauer Straße. Rollator, ganz langsam. Frau K. schreibt ihren Zettel selbst, Sabine trägt später die Tüten hoch und räumt mit ein. „Bis Freitag, Frau K.“ – „Sei bloß pünktlich, Kind.“ Es ist zehn nach zehn.
Aufgabenverteilung dieses Termins, grob geschätzt: 110 Minuten Hauswirtschaft (Küche, Bad, Wäsche, Einkauf), 10 Minuten Gespräch. Kein Skat, kein Vorlesen, kein Fotoalbum. Das ist der Alltag.
10:45 Uhr – Frau W., 78, Sonnenberg
Frau W. war früher Verkäuferin im Konsum am Ring, hat mit ihrem Mann jahrzehntelang einen kleinen Garten in der Anlage „Sonnenschein“ bewirtschaftet. Seit dem Sturz im letzten Herbst geht sie nur noch mit Gehstock. Anderthalb Stunden, einmal die Woche, sind gebucht.
Auftrag heute: Fenster putzen und die Sommerkleidung aus dem Schlafzimmerschrank in den Wohnzimmerschrank umräumen (im Winter macht Sabine es andersherum). Frau W. hat sich das schon lange gewünscht, traut sich aber selbst nicht mehr auf die kleine Trittleiter.
Sabine fängt bei den Wohnzimmerfenstern an, arbeitet sich systematisch durch. Küche, Schlafzimmer, Bad. Vier Fenster, jedes einmal von innen und einmal von außen, Rahmen wischen, Fensterbank abwischen. Das dauert. Frau W. bleibt im Sessel, ihr Fernseher läuft leise. Ab und zu ruft sie was rüber: „Nicht das Tuch da, das ist noch neu. Nehmen Sie das rote.“ Sabine tut, was Frau W. sagt. Es ist Frau W.'s Wohnung, nicht ihre.
Nach knapp einer Stunde sind die Fenster fertig. Der Kleidertausch geht schneller: Sabine holt die Sommerkleider aus dem Schlafzimmerschrank, hängt sie im Wohnzimmer auf, verstaut Wintersachen. Frau W. sortiert dabei mit – sie will zwei alte Blusen weggeben, hat sie schon gestern zur Seite gelegt.
Zum Schluss noch schnell die Küche wischen und den Müll runterbringen. Um 12:15 verabschiedet sich Sabine. „Nächste Woche machen wir die Balkonpflanzen, ja?“ – „Ja, das wär schön.“
Verteilung dieses Termins: 80 Minuten Hauswirtschaft, 10 Minuten Absprachen und kurze Gespräche zwischendurch.
Mittagspause – Bernsdorf, halb eins
Sabine isst in einem kleinen Imbiss, weil er auf dem Weg zum nächsten Termin liegt. Belegtes Brötchen, Kaffee. Sie schreibt in ihr Buch, was heute war. Frau K.: Knie noch immer, Salbe hilft. Frau W.: Fenster erledigt, Balkon nächste Woche. Für den Nachmittag stehen zwei neue Sachen auf ihrer Liste, die Frau L.'s Tochter am Morgen per WhatsApp geschickt hat.
Sie sagt, so ein Buch führt jede Kollegin. Kurze Notizen, sonst vergisst man in der Woche, was wo dran ist. Für welche Kundin welches Reinigungsmittel steht, wer eine Katze hat, wer eine Schulter operiert bekommt und in vier Wochen mehr Hilfe braucht. Das Büro sieht diese Notizen nicht im Detail, aber wenn Sabine mal krank wird, kann eine Kollegin damit einspringen. Deshalb.
13:00 Uhr – Frau L., 87, Ebersdorf, beginnende Demenz
Frau L. öffnet die Tür und weiß im ersten Moment nicht, wer da ist. Sabine sagt ruhig ihren Standardsatz: „Ich bin Sabine, ich komme jeden Dienstag um eins. Wir haben letzte Woche zusammen die Wäsche zusammengelegt, erinnern Sie sich?“ Frau L. lächelt, nickt. Ob sie sich erinnert, weiß Sabine nicht. Ist auch egal, wichtig ist, dass Frau L. sich schnell wieder sicher fühlt.
Bei Demenz-Kundinnen ist die Struktur besonders wichtig. Sabine setzt sich immer auf denselben Stuhl, macht immer die gleichen Handgriffe in der gleichen Reihenfolge. Erst die Küche: Frühstücksgeschirr spülen, Kühlschrank kontrollieren (das ist Auftrag der Tochter – dreimal die Woche schauen, ob alles noch essbar ist, abgelaufene Sachen wegwerfen und im Notizbuch vermerken).
Diesmal muss ein halber Joghurt weg, der Käse ist knapp dran, aber noch gut. Sabine schreibt beides auf den Zettel für die Tochter, die Sonntag zum Einkaufen kommt.
Dann die Wäsche. Frau L. hat drei Handtücher in der Wäschebox, ein Nachthemd, Unterwäsche. Sabine startet die Maschine, hängt gleichzeitig die Wäsche der letzten Woche vom Ständer ab und legt sie zusammen. Frau L. setzt sich dazu und faltet mit. Sie ist da erstaunlich sicher – Handtücher falten, das kann sie noch. Muskelgedächtnis von Jahrzehnten.
Nebenbei erzählt Frau L. was von ihrer Hochzeit. Immer die gleiche Geschichte, aber Sabine hört zu und fragt nach. „Und dann sind Sie ins Erzgebirge gefahren?“ – „Ja, nach Oberwiesenthal. Da war noch Schnee im April.“
Nach der Wäsche das Bad. Sabine putzt, Frau L. sitzt auf einem Hocker im Türrahmen und schaut zu. Sabine erklärt manchmal, was sie gerade tut – nicht bevormundend, mehr wie ein normales Gespräch. „So, jetzt noch die Fugen, dann ist es fertig.“
Am Ende, wenn noch Zeit ist, machen sie zusammen einen Kartoffelsalat für die nächsten Tage. Frau L. schält, Sabine schneidet. Das ist eher Aktivierung als Kochen, aber weil dabei eine Mahlzeit für den Kühlschrank entsteht, ist es auch Hauswirtschaft.
Um Viertel nach drei verabschiedet sich Sabine. Zwei Stunden, davon: ca. 100 Minuten Küche, Kühlschrank-Kontrolle, Wäsche, Bad, Kochen. Etwa 20 Minuten reine Zuwendung – gemeinsames Falten, die Hochzeitsgeschichte.
15:15 Uhr – Rückfahrt und Feierabend
Auf dem Weg zurück ins Büro tippt Sabine die zwei Notizen für Frau L.'s Tochter ins Handy. Die Kollegin, die morgen bei Frau L. ist (eine feste Vertretung, weil Frau L. dreimal die Woche Betreuung hat), bekommt die Info auch. Kurze Nachricht, kein Roman.
Im Büro tauscht sie sich zwei Minuten mit Herrn Degenkolb aus. Was war ruhig, was auffällig, kommen wir bei jemandem an Kapazitätsgrenzen. Diese Woche: alles im Rahmen. Ab halb vier ist Sabine offiziell frei, holt ihre eigenen Kinder von der Kita.
Zusammengerechnet über den Tag: fünfeinhalb Stunden Kundenzeit, davon rund fünf Stunden Hauswirtschaft (Küche, Bad, Wäsche, Betten, Einkauf, Fenster, Kühlschrank) und eine gute halbe Stunde direktes Gespräch und Aktivierung. Ein für uns ganz normales Verhältnis.
Warum das wichtig ist – auch für die Frage nach dem passenden Anbieter
Wenn Sie sich fragen, wen Sie für Ihre Angehörigen holen sollen, ist genau dieses Verhältnis eine der wichtigsten Weichenstellungen. Eine reine Reinigungsfirma macht in dieser Zeit deutlich mehr Fläche in kürzerer Zeit – aber sie kennt Ihre Mutter nicht, merkt nicht, dass der Kühlschrank Sorgen macht, und ruft Sie nicht an, wenn das Knie plötzlich schlimmer ist.
Wir machen den Haushalt etwas langsamer, dafür mit einem Auge auf die Person, die dort wohnt. Deshalb steht Alltagsbegleitung in den Pflegekassen-Katalogen und wird über den Entlastungsbetrag abgerechnet – und deshalb sind wir preislich ein bisschen über einer klassischen Putzhilfe. 38 € die Stunde für Hauswirtschaft, auf Wunsch direkt mit der Pflegekasse abgerechnet, ohne Mehrwertsteuer. Wie sich das für verschiedene Pflegegrade zusammenrechnet, haben wir in unserem Kosten-Beitrag mit Beispielrechnungen aus Chemnitz aufgeschrieben.
Und wie Sie erkennen, wer wirklich gut arbeitet und wer nur so wirbt, steht in unserem separaten Ratgeber zur Auswahl eines Alltagsbegleiters.
Sie überlegen, ob so eine Betreuung in Ihre Familie passt?
Wir kommen unverbindlich zu Ihnen nach Hause, schauen uns Ihre Wohnsituation an und rechnen mit Ihnen aus, was die Pflegekasse dazu tut. Wenn Sie noch keinen Pflegegrad haben, helfen wir beim Pflegegrad-Antrag mit Formular und Unterlagen – dazu haben wir einen eigenen Schritt-für-Schritt-Leitfaden geschrieben.
📞 Rufen Sie uns an: 0371 24359408
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Namen und Details wurden im Beitrag anonymisiert. Die geschilderten Situationen und Zeitverhältnisse entsprechen aber unserem tatsächlichen Arbeitsalltag in Chemnitz.
