Zeitumstellung und Demenz: So gelingt die Woche

Am Sonntag, dem 25. Oktober 2026, werden in Deutschland die Uhren wieder eine Stunde zurückgestellt. Für die meisten von uns bedeutet das: eine Stunde länger schlafen und ein bisschen Verwirrung beim Blick aufs Handy. Für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen ist es etwas anderes.

Wir sehen das in Chemnitz jedes Jahr aufs Neue. Ab Montag klingelt in unserem Büro das Telefon häufiger. Töchter und Söhne rufen an, weil die Mutter plötzlich um vier Uhr nachmittags ins Bett will oder um zwei Uhr nachts komplett angezogen in der Küche steht. Nicht bei allen. Aber bei vielen.

Was in solchen Nächten hilft, ist nicht Panik, sondern Vorbereitung. Deshalb dieser Beitrag – rechtzeitig, drei bis vier Wochen vor der Umstellung, damit Sie mit kleinen Verschiebungen anfangen können.

Warum die Zeitumstellung bei Demenz härter reinschlägt

Ein gesunder Körper braucht drei bis fünf Tage, um sich an eine Zeitverschiebung von einer Stunde anzupassen. Das ist die durchschnittliche Faustregel für Menschen ohne Vorerkrankungen. Bei fortgeschrittener Demenz reden wir eher über ein bis drei Wochen. Manchmal länger.

Der Grund liegt in dem, was Ärzte als zirkadianen Rhythmus bezeichnen – die innere Uhr, die Wach- und Schlafphasen steuert. Dieser Rhythmus wird bei Demenz schrittweise gestört. Was bei uns nach einer Woche wieder eingespielt ist, wirft dort einen ganzen Alltag um.

Typische Reaktionen, die uns in der Woche nach dem 25. Oktober fast immer begegnen:

  • Stärkere Abendunruhe – die Unruhe am späten Nachmittag und Abend, die viele Demenzbetroffene ohnehin kennen, wird schlimmer

  • Aufstehen mitten in der Nacht, angezogen sein, Frühstück machen wollen

  • Verweigerung des Mittagessens, weil „gerade doch erst gefrühstückt" wurde

  • Gereiztheit, weinerliche Stimmung, weniger Ansprechbarkeit

  • Bei einigen: verstärkte Verwirrtheit tagsüber – die zwei Tageshälften laufen quasi doppelt

Vorbereitung ab Anfang Oktober: die schrittweise Verschiebung

Der wichtigste Trick ist gleichzeitig der einfachste: nicht am Sonntag umstellen, sondern über zwei Wochen verteilt. In der Praxis heißt das:

Woche 43 (12.–18. Oktober): Frühstück, Mittag- und Abendessen jeden Tag 10 Minuten später als in der Vorwoche. Also: statt 7:30 Uhr Frühstück am Montag 7:40, Dienstag 7:50, Mittwoch 8:00 und so weiter.

Woche 44 (19.–25. Oktober): Die 10-Minuten-Schritte fortsetzen, sodass Sie am Samstag Abend bei einem Rhythmus angekommen sind, der schon eine ganze Stunde nach hinten verschoben ist. Am Sonntag Morgen fühlt sich die „neue" Uhrzeit dann fast normal an.

Klingt aufwendig? Ist es nicht wirklich. Es ist der gleiche Alltag, nur mit einer kleinen Kalkulation im Kopf. Und es erspart Ihnen zwei Wochen Chaos danach.

Für berufstätige Angehörige, die Mama nicht selbst um 7:40 Uhr wecken können: Sprechen Sie diesen Rhythmus mit der Alltagsbegleiterin oder dem Pflegedienst ab, damit alle in dieselbe Richtung schieben. Unsere Alltagsbegleitung übernimmt in solchen Wochen oft eine zusätzliche Vormittagsstunde – häufig als Hauswirtschaft in Chemnitz, die ohnehin Teil der regulären Betreuung ist, damit der Übergang gelingt.

Die Nacht selbst: Uhren zurückstellen – aber welche?

Am Samstag, den 24. Oktober, gehen die Uhren von 3:00 Uhr auf 2:00 Uhr. Für Demenzhaushalte gilt eine simple Regel: Stellen Sie alle sichtbaren Uhren gleichzeitig um, am besten am Samstag Abend vor dem Zubettgehen. Nicht Sonntag Morgen, wenn die betroffene Person schon aufsteht und sich orientiert.

Kandidaten für eine Runde durch die Wohnung: die Küchenuhr, die Wanduhr im Wohnzimmer, der Wecker am Bett, der Herd, die Mikrowelle, die Armbanduhr auf dem Nachttisch. Smartphones und Fernseher stellen sich meist selbst um – aber die alte Küchenuhr an der Wand nicht.

Zwei widersprüchliche Uhren im gleichen Raum sind für einen Menschen mit Demenz eine Zumutung. Wenn Sie eine davon nicht umstellen können, decken Sie sie ab oder nehmen Sie sie ab.

Was in der Woche nach der Umstellung hilft

Auch mit der besten Vorbereitung wird die erste Woche mit einem gewissen Ruckeln laufen. Was erfahrungsgemäß den Unterschied macht:

Tageslicht am Vormittag ist der stärkste Taktgeber der inneren Uhr. Wenn irgend möglich, gehen Sie oder die Begleitperson zwischen 9 und 11 Uhr für 20 Minuten mit Ihrem Angehörigen nach draußen – der Weg zum Bäcker, eine Runde um den Häuserblock, ein Kaffee auf einem Bänkchen am Schlossteich oder im Küchwald. Selbst bei bedecktem Himmel liefert das Herbstlicht draußen zehnmal mehr Helligkeit als jede Wohnzimmerlampe.

Feste Mahlzeiten-Zeiten ersetzen die verlorene Uhrzeit-Orientierung. Frühstück, Mittag, Kaffee, Abendbrot – zur immer gleichen Uhrzeit, sieben Tage lang, ohne Ausnahme. Auch wenn Ihre Mutter „keinen Hunger" hat: Setzen Sie sich mit ihr an den Tisch, decken Sie auf. Der Ritus zählt, nicht die Menge.

Abends abdunkeln. Ab 18 Uhr Rollläden runter, warmes gedimmtes Licht statt Deckenfluter, ruhiges Fernsehprogramm ohne Werbe-Blitze. Das entspricht dem, was der Körper früher aus der Umgebung mitgenommen hätte.

Bei starker nächtlicher Unruhe: Bleiben Sie ruhig, dimmen Sie das Licht, bieten Sie einen kleinen warmen Tee an (kein Kaffee!) und begleiten Sie zurück ins Bett. Diskutieren Sie nicht darüber, ob es „schon Morgen" ist – das führt zu nichts.

Wann Sie ärztlich abklären sollten

Nicht jede Unruhe nach dem 25. Oktober ist der Zeitumstellung geschuldet. Wir haben in den letzten Jahren mehrfach erlebt, dass Angehörige die Zeitumstellung verantwortlich machten, während in Wirklichkeit ein anderer Auslöser dahinterlag:

  • Ein Harnwegsinfekt – bei älteren Menschen oft mit Verwirrtheit als einzigem Symptom, ohne Fieber, ohne Schmerzen

  • Schmerzen, die tagsüber überspielt werden und nachts durchbrechen (Zahn, Rücken, Arthrose)

  • Medikamenten-Nebenwirkungen nach einer kürzlichen Verordnungsänderung

  • Eine beginnende Erkältung oder Grippe

Wenn die Unruhe nach zwei bis drei Wochen nicht nachlässt oder deutlich stärker ist als bei früheren Zeitumstellungen, ist der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Ein Urin-Streifentest ist bei plötzlicher Verwirrtheit fast immer der erste Schritt und in fünf Minuten gemacht.

Häufige Fragen zur Zeitumstellung bei Demenz

Kann ich die Zeitumstellung für meinen dementen Angehörigen einfach ignorieren?

Theoretisch ja – praktisch nicht. Sobald der Angehörige das Haus verlässt, zum Arzt geht, Besuch bekommt oder mit anderen Menschen kommuniziert, gibt es Reibung. Auch die Alltagsbegleiterin, der Pflegedienst und der Bäcker stellen um. Es ist einfacher, die Umstellung sanft mitzumachen, als parallel in zwei Zeitzonen zu leben.

Hilft Melatonin bei der Anpassung?

Das ist eine Frage für Ihren Hausarzt oder Neurologen. Für Menschen mit Demenz ist die Datenlage gemischt – manche profitieren, andere reagieren mit paradoxer Unruhe. Bitte niemals ohne ärztliche Rücksprache mit Nahrungsergänzung experimentieren, gerade wenn Ihr Angehöriger schon mehrere Medikamente nimmt.

Was, wenn ich die zweiwöchige Vorbereitung verpasst habe und jetzt schon Mitte Oktober ist?

Auch eine einwöchige Vorbereitung ist besser als keine. Fangen Sie am Montag mit 15-Minuten-Schritten an statt 10-Minuten-Schritten. Wenn Sie erst am Wochenende starten, verschieben Sie den Rhythmus über die folgende Woche noch nach.

Sollte man wegen der Zeitumstellung mehr Betreuungsstunden buchen?

In der Woche danach – oft ja. Wir bieten unseren Bestandskunden für die Umstellungswoche gerne eine bis zwei zusätzliche Vormittagsstunden an, damit der Tageslicht-Impuls (siehe oben) verlässlich stattfindet. Das rechnen wir 2026 über den Entlastungsbetrag ab und kostet Sie in den meisten Fällen keinen Eigenanteil. (Für 2027 plant der Gesetzgeber eine Umstellung des Entlastungsbetrags – wir informieren unsere Kunden rechtzeitig.)

Ist die Frühjahrs-Zeitumstellung schlimmer als die im Herbst?

Ja, deutlich. Im Herbst gewinnen wir eine Stunde, das ist biologisch leichter. Im Frühjahr verlieren wir eine Stunde Schlaf – das ist der Termin, an dem wir in Chemnitz die meisten Krisen-Anrufe bekommen. Wenn diese Herbstumstellung schwierig wird, ist es sinnvoll, spätestens im März 2027 mit der Vorbereitung noch eine Woche früher zu beginnen.

Sie machen sich Sorgen für die Nacht vom 24. auf den 25. Oktober?

Rufen Sie uns kurz an. Wir schauen mit Ihnen konkret an, wie der Tagesrhythmus Ihres Angehörigen im Moment aussieht, wo die realistischen Stellschrauben sind und ob eine kurze Betreuungs-Ergänzung für die Umstellungswoche sinnvoll ist. Das Gespräch kostet nichts. Wenn Sie mit unseren Aktivierungs-Ideen für Menschen mit Demenz vertraut sind, können Sie einige davon in dieser Woche gezielter einsetzen.

📞 Rufen Sie uns an: 0371 24359408
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Kleiner Trost: Im Frühjahr geht die Sonne dann sowieso vor sieben auf – bis dahin gute Vorbereitung, ruhige Nächte, und ein Anruf, falls es doch klemmt.

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